Von Petra Grebe, 07.08.11, 16:55h
Die Kölner Symphoniker führten auf der Burg schwungvoll und amüsant das Musical „My Fair Lady“ auf. Und auch das Wetter spielte größtenteils mit. Nur zu Beginn des Stückes regnete es kurz.
Monschau - Die Besucher der Festivalreihe „Monschau Klassik“ sind für alle Wettereskapaden ausgerüstet. Bepackt mit Schal und Regenmantel, strömten die Zuschauer am Freitagabend auf die Burg, um sich das Musical „My Fair Lady“ anzusehen. Pünktlich zum Spielbeginn zogen dann auch dunkle Wolken über die Spielstätte, die Besucher schlüpften sogleich unter ihre Capes. Doch der Regen währte zum Glück nicht lange, die Aufführung konnte ohne weitere Schauern vonstatten gehen.
Für die Besucher hatte sich die Fahrt nach Monschau gelohnt, denn sie bekamen eine äußerst spritzige Inszenierung des bekannten Musicals zu sehen. „My Fair Lady“ ist eine Adaption des Bühnenstücks „Pygmalion“ von George Bernhard Shaw, Alan Jay Lerner und Frederick Loewe haben daraus das Musical kreiert. 1956 kam es in New York zur Uraufführung, und bis heute erfreut es sich ungebrochener Beliebtheit. Ein wenig Satire, manch bissiger Kommentar, ein wenig Romantik und eingängige Melodien sorgten für den Erfolg. In Monschau spielten die Kölner Symphoniker unter der Leitung von Inga Hilsberg, die Regie hatte Lajos Wenzel, für die Choreografie war Robina Steyer verantwortlich.
Phonetikprofessor Henry Higgins ist überzeugt, dass der Mensch sich allein über die Sprache definiert, und er schlägt in die Wette mit Oberst Pickering ein, aus dem einfachen Blumenmädchen Eliza Doolittle eine Dame zu machen. Eliza sieht darin die Chance, ihr Leben zu verbessern. Sie träumt von einem eigenen kleinen Blumenladen. Sie lässt sich fortan vom Professor einiges gefallen, denn Higgins sieht in der jungen Frau ein Versuchsobjekt und keinen Menschen mit Gefühlen. „Ich habe sie für fünf Pfund gekauft, sie gehört mir“, sagt er zu Oberst Pickering. Higgins beschimpft Eliza und nimmt während seines Unterrichts keinerlei Rücksicht auf ihre Gefühle. Wolf H. Latzel verkörperte überzeugend diesen eingebildeten Schnösel aus der englischen Upperclass, der nur an sich selbst denkt. Maria Mucha gab eine reizende Eliza, die sich glaubhaft vom einfachen Blumenmädchen mit derber Sprache zu einer gefühlvollen Dame wandelte. In der deutschen Fassung des Musicals wird Elizas Cockney-Akzent meist ins Berlinerische übertragen. Mucha setzte dies glänzend um. Gerade noch putzte sie sich die Nase an der Bluse ab und sprach im derbsten Akzent, wenig später glitt sie elegant im feinen Kleid über die Bühne und artikulierte sich im feinsten Hochdeutsch. Bernhard Dübe gab einen amüsanten Oberst Pickering, und Robert Neal Foster verkörperte den Vater von Eliza, der sich im Londoner Slum durchs Leben schlägt und gerne von seiner Tochter aushalten lässt.
Schon in der Ouvertüre klangen die bekannten Songs aus dem Musical an. Die Besucher waren schließlich auch gekommen, um Klassiker wie „Es grünt so grün“ zu hören. Leider war die Tontechnik nicht immer ganz ausgewogen, so dass besonders für die Zuschauer, die in der Nähe des Orchesters saßen, einige Lieder nicht gut zu hören waren.
Die Akteure boten den Besuchern allerdings eine schwungvolle Vorstellung. Das spielfreudige Ensemble konnte durchweg überzeugen. Spritzige Tänze gingen nahtlos in die schauspielerischen Szenen oder die Gesangseinlagen über. Mit eingespielten Handgriffen verschoben die Sänger und Tänzer die Kulissen für die verschiedenen Szenen, etwa Higgins’ Wohnzimmer oder die Pferderennbahn von Ascot. Es war ein amüsanter Abend, den Musiker wie Tänzer und Schauspieler den Besuchern bescherten.
Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger, 07.08.11