Von Johannes Mager, 01.08.11, 07:00h
„Ich spiele nicht Klarinette. Ich bin Sänger. Ich singe durch mein Instrument“, soll Giora Feidman einmal gesagt haben. In Monschau spielte er nicht nur, sang nicht nur durch seine Klarinette, nein: Er sprach durch sie.
MONSCHAU - „Ich spiele nicht Klarinette. Ich bin Sänger. Ich singe durch mein Instrument“, soll Giora Feidman einmal gesagt haben. Was die Redewendung „die Sprache der Musik“ bedeutet, zeigte er in Monschau. Er spielte nicht nur, sang nicht nur durch seine Klarinette, nein: Er sprach durch sie.
Zunächst bereitete die großartige Kammerphilharmonie St. Petersburg unter dem Dirigat von Juri Gilbo das Feld. Melancholisch und sanft begannen die Streicher. Faszinierend, wie leise sie manche Stellen zu Gehör brachten - ein stimmiger Kontrast zum groben, rot angestrahlten Bruchstein-Mauerwerk der Burg. Wie bestellt schlug die Kirchenglocke in der Stadt, als Giora Feidman die ersten Töne aus der Klarinette hauchte.
Mit nur wenigen Gesten brachte der 75-Jährige die Zuschauermenge dazu mitzusummen. Mit dem Orchester zelebrierte er die Musik - zum Klingen gebrachte Seele.
Immer wieder vermochte man versteckt die Anfangstöne des israelischen „Hevenu schalom alejchem“ zu hören. Im Vordergrund stand die Musik des Klezmer. Feidman versteht sich nicht nur als Musiker, sondern auch als Verfechter für den Frieden zwischen Juden, Deutschen und Palästinensern. Deutlich wurde das durch eine intensive Bearbeitung der deutschen und israelischen Nationalhymne sowie Mikis Theodorakis Hymne für Palästina.
Wenige Gesten und ein kurzes Ansingen genügten auch bei „Donna Donna“, das Publikum mitsingen zu lassen. Effektvoll zeigte sich die Spielweise der Streicher, die mit den Bögen auf die Saiten schlugen. Durch von Feidman über Notenwerte und Tonhöhen hinweg gezogene Töne, vom Orchester fantastisch wiederholt, potenzierte sich die Lebendigkeit der Musik.Berührend, gefühlvoll und intensiv zeigte sich nicht nur sein Spiel. Die Philharmoniker spielten auf gleichem Niveau - allen voran die erste Geige spielte stark auf, während die übrigen Instrumente ruhten. Trotz sparsamer Gesten und Worte strahlte das Charisma Feidmans bis in die letzten Reihen.
Erst nach einer Stunde trat er ans Mikrofon und begrüßte die Zuschauer. Immer wieder blitzt sein schelmischer Humor auf: „Im Programm steht nun Pause. Aber es steht nicht im Alten Testament, nicht im Neuen Testament und auch nicht im Koran, dass die Zugabe am Ende sein muss. Wir spielen sie jetzt.“
Auch im Anschluss hatte der Musiker sein Publikum im Griff, als er es „Hevenu schalom alejchem“ anstimmen ließ und sich die Instrumentalisten langsam in die Pause zurückzogen. Das Publikum brauchte spürbar einen Moment, bis es sich zur Pause erhob.
Quelle: Kölnische Rundschau, 01.08.11