Von Bernadette Scheurer, 01.08.11, 07:00h
Große Opern und Symphonien standen zum Auftakt der Monschau Klassik nicht auf dem Programm: Doch die Liedermacher Konstantin Wecker und Hannes Wader sowie Klarinettist Giora Feidman sorgten an den ersten beiden Abend für bewegende Momente auf der Burg.
MONSCHAU - Ist die Zeit der Liedermacher vorbei, die zur Begleitmusik der 68er wurde? Die Nacht der Liedermacher, mit der Konstantin Wecker und Hannes Wader die „Klassik“ unter dem Titel „Kein Ende in Sicht“ eröffneten, machte deutlich, dass politik-kritische Lieder aktueller sind denn je. Mögen die Haare der Musiker auch ergraut sein, sie haben nichts von ihrem Charme und Biss verloren, der auch diejenigen mitriss, die die 68er nicht erlebt hatten. Wer dachte, dass sich die Sänger, die zu Beginn so amüsant übers Älterwerden scherzten, nur den Umgang mit Älteren in der Gesellschaft thematisieren würden, wurde eines Besseren belehrt. Wader und Wecker wären nicht sie selbst, würden aktuelle Themen wie Wirtschaftskrise, Atomausstieg und Krieg nicht pointiert aufgegriffen.
Schon bei Waders deutscher Version von „Rock'n'Roll I gave you all the best years of my life“ zeigte sich sein Gefühl für Sprache: Wort für Wort wohlgewählt. Wecker nahm sich bewusst zurück, improvisierte jazzig dazu. Seine Virtuosität zeigte er auch bei „Wenn der Sommer kommt“, wechselte er doch nahtlos vom Ska in den Blues, um dann in einer Ballade, gesanglich unterstützt von Wader, zu enden. Man spürt, dass da zwei auf der Bühne stehen, die sich nichts beweisen müssen, die dem anderen Respekt und Anerkennung zollen, die sich ohne viele Worte verstehen. So rezitierte der Lyrik-Liebhaber Wecker den Text eines Liebesliedes Waders, das Pianist Jo Barnikel , der sich mit Wecker gut ergänzte, einfühlsam begleitete. Der 69-jährige Wader zollte dem Bayern mit dessen „In diesen Nächten“ Respekt.
Hier zeigte sich auch die Professionalität der drei Musiker, die die Liedermacher begleiteten. Percussionist Hakim Ludin zauberte mit unterschiedlichsten Instrumenten eine unvergleichliche Atmosphäre und griff Stimmungen auf, die im Text zum Ausdruck kamen. Gitarrist Nils Tuxen spielte mal auf der E-Gitarre, mal auf der Sita oder der Steel-Guitar. Dabei lebte das Konzert gerade von den Cross-Culture-Elementen, vom Nebeneinander der ruhigen, fast zurückhaltenden Art eines Wader und dem schelmischen Lausbuben-Charakter Weckers. Hier blieben beide stilsicher, etwa wenn Wecker, der kurz zuvor noch über die Bühne gerockt war und sich einen „Kampf“ mit Percussionist Ludin geliefert hatte, das Nordlicht Wader dazu brachte, das Fiaker-Lied im Wiener-Dialekt zu singen.
Der Schalk steckte Wecker im Nacken, genau das unterstrich seine Gesellschaftskritik. So erntete sein bitter-böses „Das Lächeln meiner Kanzlerin“ viele Lacher und Applaus. Wie ein schüchterner Primaner schaute er drein, als er sang: „Könnt ich an dieser Brust nur einmal versinken, dann wählte ich, ich schwörte es, auch niemals mehr die Linken.“ Die diebische Freude, die Wecker beim Schreiben des Liedes gehabt haben mochte, war ihm anzumerken. Wader tat es ihm im zweiten Teil gleich: sang, wie in einem Volkslied, leicht ironisch von einem, der auf einer Mine steht. Gerade im Kontrast zwischen Thema und eingängiger Melodie steckte die Dramatik.
Vom Sommer träumen
Stark waren beide auch in den Liebesliedern und Balladen, aus denen so viel Wärme und Gefühl sprachen, dass man selbst bei den herbstlichen Temperaturen vom Sommer träumen konnte. „Wir schaffen es schon noch, hier für wärmere Temperaturen zu sorgen“, kündigte Wecker an. Und obwohl beide sichtlich froren und bei jedem Mal mit einem Kleidungsstück mehr auf die Bühne kamen, schienen sie sich nach dem offiziellen Ende gar nicht trennen zu können. Dann endlich spielte Wader „Heute hier, morgen dort“, Wecker „Buona notte, Fiorelina“ und beide zum endgültigen Finale „Dat du min Leevsten büst“ - Wader im platt-deutschen Original, Wecker in „bayrischer Übersetzung“. So ging um kurz vor Mitternacht das Konzert von zwei Freunden zu Ende, die sich mit ihren einfühlsamen Liebesliedern und kämpferischen Polit-Songs auch das Publikum zu Freund gemacht hatten.
Quelle: Kölnische Rundschau, 01.08.11