Von Jennifer Held, 08.08.11, 17:25h
Weder das Publikum noch die Musiker der Russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg mit dem Dirigenten Juri Gilbo noch Eva Lind selbst konnte das wirklich schlechte Wetter bei der Mozart-Nacht schrecken.
Monschau - „Schön, dass Sie alle hierher geschwommen sind“, begrüßte eine gute gelaunte Eva Lind die Zuschauer zur Mozart-Nacht auf Burg Monschau. Ihren Weg zur Bühne hatte die beliebte Opernsängerin unter einem Regenschirm angetreten, den ihr Moderator Herbert Feuerstein mit einer galanten Verbeugung auf der Bühne abnahm. Weder die Besucher noch die Musiker der Russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg und ihr Dirigent Juri Gilbo noch Eva Lind selbst konnte das wirklich schlechte Wetter schrecken. Ganz Profi, zog Lind die Stola etwas enger um ihre Schultern und begeisterte mit der Arie des Cherubino aus „Le Nozze di Figaro“ die Zuschauer.
„Wir sorgen dafür, dass Ihnen zumindest warm ums Herz wird“, meinte Lind – und hielt dieses Versprechen auch ein. Gemeinsam mit Tenor Martin Shalita und Bariton Manuel Wiencke präsentierte sie Klassiker aus den Opern von Wolfgang Amadeus Mozart. Das Orchester begann mit der Ouvertüre zu „Die Hochzeit des Figaro“. Daraus präsentierten Lind und Wiencke anschließend noch drei weitere Kompositionen, wie etwa die Arie des Grafen und die Arie des Bartolo. Mit Don Giovanni ging es weiter. Tenor Martin Shalita hatte hierbei seinen ersten Auftritt an diesem Abend und begeisterte die Zuhörer mit der Arie des Don Ottavio „Il mio tesoro“. Wem zwischenzeitlich der Wind wieder kalte Luft um die Nase geblasen hatte, der vergaß dies spätestens zu diesem Zeitpunkt. Denn Shalita zog die Besucher mit seiner klaren Stimme in seinen Bann.
Klare, unverkennbare Stimme
Mit viel Überzeugungskraft sang er in der sogenannten Champagnerarie den gut gelaunten Don Giovanni. Als Papageno überzeugte Wiencke in der zweiten Programmhälfte nicht nur durch seinen hervorragenden Gesang, sondern auch durch seine passende Mimik, in welcher man die Liebe zur Musik regelrecht ablesen konnte. Eva Lind begeisterte mit ihrer klaren, unverkennbaren Stimme als Papagena aus der Zauberflöte im Duett mit Wiencke.
Während in der ersten Programmhälfte die Tontechnik nicht hundertprozentig ausbalanciert klang – so waren beispielsweise die Bässe schlecht bis gar nicht zu hören – hatte man dies zu Beginn der zweiten Hälfte anscheinend wieder ausgebügelt.
Dies war auch nötig, denn das Orchester eröffnete den zweiten Teil der Abendveranstaltung mit der Ouvertüre zur „Zauberflöte“ und spielte einige Stücke später auch die Orchesterfassung des Türkischen Marsches. Stehende Ovationen zum Schluss brachten Lind und Wiencke dazu, als Zugabe das Duett „Papageno, Papagena“ aus der Zauberflöte zu präsentieren. Als das Licht wieder anging und sich die Musiker gegenseitig die Hände schüttelten, packten auch die Zuschauer ihre Regenmäntel und -schirme wieder ein, um im großen Tross die Burg zu verlassen.
Auch wenn der Abend Operngesang mit Feingefühl und Finesse auf höchstem musikalischen Niveau bot, so fehlte doch am Schluss ein wenig der Schwung in der gesamten Veranstaltung. Das lag allerdings auch daran, dass der Ton an vielen Stellen einfach viel zu leise war, und so trotz schneller Ouvertüren und stimmgewaltiger Arien eine Opernstimmung nicht immer aufkommen wollte.
Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger, 08.08.11