Von Christoph Hahn und Manfred Schmitz
Künstler von ganz unterschiedlicher Ausstrahlungskraft brachte das erste Wochenende der zwölften »Monschau Klassik« in der Festival-Arena auf der Burg zusammen.
Den Anfang machte am Freitag bei der »Nacht der Liedermacher« das Duo Konstantin Wecker und Hannes Wader. Die Faszinationskraft, die der Münchener Wecker und der Ostwestfale Wader, erklärte sich nicht nur aus ihrer Musik. Die präsentierte sich als interessante Mixtur aus dem eher kräftig zupackenden Klavierspiel des Bajuwaren und dem filigran dahin perlenden Gitarrenton seines künstlerischen Partners, der von sich sagt: »Jeder Auftritt mit Konstantin ist mir ein Fest.« Sehnsucht nach der Aufhebung aller Erdenschwere im Schönen, Misstrauen gegenüber den Mächtigen und ein starker Wille zum Ändern der Umstände - alle diese Elemente, vorangetrieben durch ein druckvolles Zusammenspiel der beiden Stars mit ihrer Band und aufgelockert durch reizvolle Improvisationen, begeisterten die merklich bewegten Zuhörer, die es sich nicht nehmen ließen, immer wieder im Takt der Musik mit zu tanzen oder zumindest mit den Füßen zu wippen.Als aus ganz anderem Holz geschnitzt erwies sich da das Gastspiel einer der ehrwürdigsten Gestalten unter den Musikern der Gegenwart, des in Argentinien geborenen Israelis Giora Feidman. Seine Versuche, in der Musik scheinbar unversöhnliche Gegensätze aufzulösen, hatten dem Mann mit der markanten Glatze Respekt und Liebe des Publikums schon lange vor dem Auftritt auf der Burg eingetragen. Beim Konzert in Monschau, auf das er das Publikum mit einer kurzen Meditation einstimmte, zeigt sich Feidmans starker Wille zur Versöhnung nicht nur beim mühelosen Sprung vom Klezmer zum Jazz und weiter zur sinfonischen Klassik, sondern auch bei seiner ästhetisch reizvollen Fusion von deutscher, israelischer und palästinensischer Nationalhymne.Ein weiteres Glanzlicht setzten Dirigent Juri Gilbo und die Künstler der Kammerphilharmonie St. Petersburg nebst hochkarätigen Solisten dem Programm mit der »Russischen Opern- und Orchestergala« am Sonntag auf. Die ganze Vielfalt des Schaffens von führenden Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts wie Tschaikowskij, Chatschaturjan und Rimskij-Korsakow fassten Gilbo und seine hervorragend aufgelegten Musiker in vergleichsweise kurzer Zeit zusammen - auch die viel geliebte Musik zu dem Ballett »Schwanensee« fehlte nicht im Repertoire - sehr zur Freude des Publikums, das den Gästen hingerissen applaudierte.»Die Festspiele haben seit ihrer Gründung vor zwölf Jahren ein breites künstlerisches Repertoire erarbeitet, das auf hohe Anerkennung beim Publikum stößt«, zollte Schrimherr Friedhelm Kamps beim Besuch in der Festspielstadt seinen Respekt. Die Monschau-Klassik vereine Menschen aller Nationen, Geschlechter und Generationen, führe sie zu harmonischer, kultureller Begegnung, so der Geschäftsführer des Deutschen Jugendherberg-Werkes. »Darum hoffe ich sehr auf das Silberjubiläum Burgfestspiele. Wir haben gemeinsam noch viel vor!« Margareta Ritter lobte die hervorragend funktionierende Partnerschaft zwischen den Verantwortlichen des Herbergswerkes und Monschaus Stadtverwaltung. Immerhin kann der idyllische Aufenthaltsort und Begegnungsstätte während der drei Festspielwochen keine Übernachtungsgäste aufnehmen, ein gewichtiger Wirtschaftsaspekt.
Quelle: WochenSpiegel Monschau, 03.08.2011