Von Johannes Mager, 09.08.11, 07:00h
Für eine Aufführung in Monschau war die Inszenierung der Kölner Kammeroper von Franz Lehárs Operette „Die lustige Witwe“ vermutlich ursprünglich nicht gedacht. Oder Regisseurin Ela Baumann mochte an einen „richtigen“ Sommer geglaubt haben.
Für eine Aufführung in Monschau war die Inszenierung der Kölner Kammeroper von Franz Lehárs Operette „Die lustige Witwe“ vermutlich ursprünglich nicht gedacht. Oder Regisseurin Ela Baumann mochte an einen „richtigen“ Sommer geglaubt haben. Insbesondere den Damen auf der Bühne dürfte ab dem dritten Akt, als die Sonne verschwand und Wind aufkam, der ein oder andere Schauer über den Rücken gelaufen sein - zumindest über Beine und Schultern. Davon zeigten sie recht viel bei der Aufführung von Kammeroper und Symphonikern. Da war „das Studium der Weiber“ nicht schwer, sondern schön. Allen voran die bezaubernde Rebekka Maeder als reiche Witwe Hanna Glawari gewann die Herzen der Zuschauer. Leider wurden die Sänger bei lauten Passagen bisweilen vom Orchester übertönt.
Amüsante Verspieltheit
Die Inszenierung offenbarte auch in dieser Szene zu Beginn des zweiten Aktes eine Verspieltheit, die besonders in den Massenszenen zu beobachten war. Flotte und augenzwinkernde Szenen sorgten für Amüsement - etwa als die Herren, allen voran die sich wunderbar anbiedernden Vicomte Vascada ( Jürgen Hahn ) und Raoul de St. Brioche ( André Nessel ), überbordend um die Witwe buhlten und handfesten Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg gingen. Gestik und Mimik waren oft amüsant, aber nicht blödelnd.
Oliver Grice, der als Bogdanowitsch leicht grotesk geschminkt war, glänzte mit exakt pointierter Komik, insbesondere mit Volker Hein als Kanzlist Njegus. Den Lebemann Graf Danilo Danilowitsch spielte Wolf H. Latzel . Frische, vor allem in den flotten Szenen, erhielt die Operette auch durch das recht junge Ensemble, das agil und lebendig agierte. Besonders gelungen: das Lied „Das Studium der Weiber“.
Es mochte zwar nicht besonders einfallsreich scheinen, wie Kromow dem Bogdanowitsch beim Cancan auf den Fuß trat, doch gehörte es zu den kleinen komödiantischen Verspieltheiten, die brillant eingestreut wurden.
Zur Frische der Inszenierung trug die locker-luftige Garderobe im zweiten Teil bei. So trugen die Herren weder Anzug noch Uniform, sondern sie traten nahezu alle in legerem Hemd und leichter Hose auf - und ebenso wie die Damen barfuß. Das wurde auch gerne immer wieder leicht frivol, gar erotisch ausgespielt.
Natürlich finden die beiden Protagonisten am Schluss zueinander. Auch Valencienne ( Julika Birke ) konnte ihren scheidungswilligen Gatten Baron Zeta (toll: Emanuel Pichler ) überzeugen, keine Affäre mit de Rossillon ( Antonio Rivera ) gehabt zu haben. Diese Verdächtigung konnte sie abwenden, indem sie auf dem Fächer, den Rossillon für sie mit einem Liebesschwur beschriftet hatte, ergänzte: „Ich bin eine anständige Frau!“ Voller Inbrunst erklärte ihr Gatte: „Verzeihung, das habe ich nicht gewusst.“ Was kann es Schöneres geben, als das Publikum mit einer gelungenen Pointe nach Hause zu entlassen?
Quelle: Kölnische Rundschau, 09.08.11